Wandern und Weinprobieren in den Kleinen Karpaten

Dort, wo die March in die Donau mündet und die drei Länder Tschechien, Österreich und die Slowakei aneinandergrenzen, erheben sich als sanfter Bergrücken die Karpaten. Nur 100 km lang ist dieser schmale, kleine Gebirgskamm, mit dem der grosse Karpatenbogen beginnt und dessen Name die Kleinen Karpaten ist. Der höchste Berg ist gerade 768 Meter hoch.

Die dichten Laubwälder sind mit einem Netz von gut markierten Wanderwegen durchzogen; der rot markierte Hauptwanderweg, die Magistrale, zieht sich wie ein roter Faden am Bergrücken entlang. Fast symbolisch beginnt die Magistrale - die übrigens mit einer Länge von 700 km alle Gebirge in der Slowakei verbindet, bei der Burgruine Devín (Mädchenburg), eine ehemalige bedeutende großmährische Burgstätte, die hoch über dem Zusammenfluss von March und Donau thront.

Der 110 km lange Abschnitt der Magistrale in den Kleinen Karpaten endet auf dem Berg Bradlo, bei dem imposanten Denkmal des slowakischen Generals M.R. Stefánik, der mit dem T.G. Masaryk bei der Gründung der ersten CSR stand.

Mehrere Burgruinen säumen den Wanderweg - die ehemalige Wachburgen überwachten die wichtige Handelstrasse nach Böhmen. Die berüchtigste von denen ist bestimmt Cachtice, die mit dem Namen der Burgherrin Alzbeta Bathory verbunden ist. Die blutrünstige Gräfin stand dem berühmten Kollegen Drakula aus den rumänischen Karpaten in nichts nach: 600 jungfräuliche Mädchen soll sie im Laufe von 25 Jahre ermordet haben. Der Legende nach, hat sie in ihrem Blut gebadet, um ewig jung und schön zu bleiben. Kein Wunder, dass den Karpaten das etwas geheimnisvolle und düstere Image fest angeheftet ist.

Geheimnisvoll muss auch die Burg Cervený Kamen (Biberburg), dem J. Verne erschienen sein, als er das Buch "Die geheimnisvolle Burg in den Karpaten" schrieb. Die gut erhaltene Burg gehörte einst auch der Familie Fugger, die sie zur einer Festung umgebaut haben, mit gewaltigen Lagerräumlichkeiten in den Untergeschossen, für die in den Westen zu befördernde Ware. Beeindruckend sind die riesige Kellerräume mit der Länge von 90 m und einer Höhe von 22 m.

Die südlichen Hänge der Kleinen Karpaten, die in die weitläufige, fruchtbare Donauebene übergehen und von der Sonne verwöhnt sind, bieten ideale Bedingungen für die Weinreben. Die Orte am Fusse der Kleinen Karpaten wie Raca, Pezinok, Modra, Svätý Jur und Bratislava sind seit dem Mittelalter bedeutende Weinanbauzentren. Die Weintradition ist bis heute erhalten geblieben. Nach der Wende ergänzen das Angebot viele edle, erlesene Weine von mehreren privaten Weinbauern das Sortiment der Grossbetriebe. Ruländer, Veltliner, Silvaner, Blaufränkischer, Traminer, Muskatella aber auch Müller Thurgau, Riesling sind die gängisten Sorten.

Eine jahrhunderte lange Tradition hat in Modra auch die Töpferei. In der Keramikwerkstatt Majolika, wo auch heute alles von Hand getöpfert und dekoriert wird, kann man den Töpfern über die Schulter schauen und im betriebseigenen Laden herrliche Keramikstücke preiswert erwerben.

Im Westen der Bogen der Kleinen Karpaten, im Süden die Schleife der Donau - in diesem malerischen Dreieck wuchs das alte Pressburg - das heutige Bratislava. Einst eine tolerante und kosmopolitische Stadt der k. und k. Monarchie, wo sich die slowakische, deutsche und ungarische Sprache mischte, wo die Habsburger 300 Jahre lang zu ungarischen Königen gekrönt wurden und die Wiener mit der Straßenbahn zum Cafe fuhren. In der sozialistischen Tschechoslowakei zum Dornröschenschlaf verdammt, nach der "samtenen Revolution" wachte die Stadt auf und putzte sich eifrig heraus. So kann man beim Rundgang wieder die schönen Stadtpaläste und Bürgerhäuser bewundern, die Burg und Krönungskirche, den Primatialpalast mit seinen wertvollen Gobelinen. Im schön renovierten Cafe Mayer, das schon den kaiserlichen Wienerhof mit Torten und Kuchen belieferte, kann man sich verwöhnen lassen.

Von Bratislava aus kann man mit dem Schiff zur Burgruine Devín, oder in die andere Richtung, zu dem Wasserwerk Gabcíkovo, durch die Schleussenkammern fahren. Auf einen der Kanälen mit Wildwasser kann man Rafting probieren. Nur ein paar Kilometer von den Kleinen Karpaten entfernt, befinden sich bei dem Ort Senec, die Naturseen mit dem schönen Namen: Sonnenseen (Slnecné jazerá), wo man sich nach den Wanderungen gut erholen kann.

Die Kleinen Karpaten gehören zu den milden bis warmen Gebieten mit einer durchschnittlichen Temperatur von 7-9 °C im Jahr. Bedeckt ist das Gebirge zum Grossteil von Laubwäldern. Interessant ist das Gebiet bei Devín mit dem sogenannten Sandberg, wo Ablagerungen aus dem Tertiär von vielen ausgestorbenen Tieren entdeckt wurde.
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