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Die Östlichen Karpaten: Weite, unberührte Wälder, Ikonen und Andy Warhol Im Nordosten der Slowakei dehnen sich die Östlichen Karpaten in die zahlreichen Bergrücken aus, die nicht höher als 1.300 m sind. Der Großteil der Bergrücken gehören zum Gebirge Nizke Beskydy (Niedere Beskiden), der Rest fällt an die kleineren Gebirge - wie Cergov, Vihorlatske Vrchy und Bukovske Vrchy (Vihorlater und Bukovske Berge). Kaum Industrie, dünn besiedelt, unberührte Natur und die weiten Wälder - teilweise mit Urwaldcharakter - so sind die Karpaten vor allem im östlichsten Winkel, dicht an der Grenze zu Polen und der Ukraine in den Bukovske Bergen. Hier liegt der Nationalpark Poloniny. 90 % des Parks besteht überwiegend aus Buchenwäldern. Der Rest sind Bergwiesen, hier Poloniny genannt, daher rührt auch der Name des Parks. Gerade 10 Orte mit 3.800 Seelen gibt es in diesem fast 30.000 ha großem Gebiet. Von dem östlichsten Ort Nova Sedlica führt der Wanderweg auf den östlichsten Berg der Slowakei: Kremenec (1.221 m). Hier beginnt sozusagen jeder slowakische Tag und hier steht der Grenzstein der drei Länder: Polen, Ukraine und der Slowakei. Die Wanderung kann entlang der Grenze zu Polen fortgesetzt werden. Die etwas südlicher gelegenen Vihorlater Berge sind ein Gebirge der Slowakei, das durch einen Vulkanausbruch entstanden ist. Der höchste Berg Vihorlat (1.076 m) ist eigentlich ein erloschener Vulkan. So trifft man bei den Wanderungen um den Vihorlat herum auf die stummen und erkalteten Zeugen aus der heißeren Zeit des Gebirges: auf das Lavaplateau Sninsky Kamen (1.006 m) oder auf den Natursee Morske oko (Meeresauge) - er entstand nachdem die brodelnde Lava dem Gebirgsbach den Abfluß versperrt hatte. Richtung Süden vom Gebirge bis zur ungarischen Grenze öffnet sich die Landschaft in die Ostslowakische Ebene, mit sehr angenehmen Temperaturen und den meisten sonnigen Tagen. Das kommt wohl auch dem Stausee Zemplinska Sirava, der am Fuße der Vihorlater Berge liegt zu Gute. Es ist ein beliebtes Urlaubsziel im Sommer. Auf dem rechten Ufer des "Slowakischen Meeres" reihen sich die Zelte und Campingfahrzeuge nebeneinander, auf den Ausläufern der Berge gibt es Wochenendhäuser, Pensionen und Hotels. Ein buntes Durcheinander ist das, daß auf einen Umbruch auch hier im tiefen Osten hinweist. Zwischen den grauen, schmucklosen Plattenbauten der Gründerzeit in den 70er Jahren, entstehen schicke Privathäuser, Pensionen und neue moderne, freundliche Hotels, mit dem Bestreben westeuropäischen Standard zu bieten. Das Zusammentreffen der zwei Kulturwelten ist beim abendlichen Spaziergang auf der "Flaniermeile" entlang des Ufers zu beobachten. Auf der einen Seite, die Stände mit allem möglichen nützlichem und unnützlichem Kram, auf der anderen Seite steigen dem Himmel die unterschiedlichsten Düfte vom gekochten Maiskolben, gebratenen Würsten, Fischen und Koteletts empor. Auch sonst geht es hier locker zu: hie und da sitzen Gruppen um ein Lagerfeuer herum, Jung und Alt schwingen das Tanzbein zur flotten Musik unter dem freien Himmel. Etwas gepflegter und mit Kultur unterlegt geht es zum Schluß zum letzten Teil der Reise. Zurück nach Norden gekehrt, kommt man in die Niedere Beskyden. In diesem Landstrich, entlang der Grenze mit Polen, einschließlich des Nationalparks Poloniny lebt seit Jahrhunderten eine ukrainische Minderheit, die sogenannten Lemken, in der Landessprache auch "Rusini" genannt. Sie haben ihre Sprache behalten und pflegen ihre Gebräuche und Sitten. Sie sind ihrem griechisch-katholischem Glauben treu geblieben, welcher sich auf die Liturgie stützt, die vor Jahrhunderten im Großmährischen Reich die Gelehrten Konstantin und Method aus dem Byzantinischen Reich gebracht haben. Sie bauten ihre Kirchen, sogenannten "Cerkve" aus Holz. Genau 27 Kirchen davon überdauerten mehr oder wenig gut erhalten die Jahrhunderte. Eine hübscher wie die andere: vom Fuße bis zur Spitze sind Sie mit Schindeln bedeckt, mit drei Zwiebeltürmchen, einziger Schmuck des Interieurs ist der Ikonostas - eine geschnitzte Trennwand, in der die farbenfrohen Heiligenbilder (Ikonen) gefasst sind. Aus dieser Gegend stammte das Ehepaar Warhola, das in den Zeiten der Weltwirtschaftskrise - wie viele andere auch - nach Amerika ausgewandert sind. Hier wurde auch der Sohn Andrej geboren - der spätere exzentrische Künstler Andy Warhol. Im Geburtsort seiner Eltern, dem Örtchen Medzilaborce gibt es das Andy Warhol-Museum. Die Kulturreise durch die Jahrhunderte und Stile rundet der Besuch der Stadt Bardejov ab. Gotische-renaissance Bürgerhäuser dienen hier als wertvoller Rahmen für die Schmuckstücke - die gotische Kirche Hl. Egidius und das gotische Rathaus. Beide sind in der Liste als Weltkulturerbe der UNESCO eingetragen. Sollte das ganze Wander- und Kulturmenü etwas schwer im Magen liegen, so gibt es auch hierfür eine Abhilfe. Ein paar Kilometer von Bardejov entfernt liegt der Kurort Bardejovske Kupele. Seine Mineralquellen sind vor allem zur Heilung des Verdauungsapparates bekannt. Auch die Kaiserin Sissi suchte und fand eine Linderung für ihren durch den Diät- und Schlankheitswahn geplagten Magen. Bei ihrem Abschied sagte sie: "Alles was ich mir von diesem Aufenthalt in diesem Ort erwartet habe, hat sich erfüllt, ich fühle mich gesund und erholt". Bevor wir aber endgültig Abschied nehmen und von Kosice abreisen - hoffentlich so begeistert wie einst Sissi - besuchen wir noch die Landeshauptstadt der Ostslowakei. Die zweitgrößte Stadt der Slowakei lädt zum Verweilen im schön renovierten Stadtzentrum und zur Besichtigung der gotischen Kathedrale Hl. Elisabeth (zweitgrößte in Europa) ein. Zurück |